Hormonersatztherapie: Fluch und Segen

Posted on Dezember 21, 2016 by Ellen Defrancq
An dieser Stelle möchte ich eindringlich darauf aufmerksam machen, dass die Einnahme von Hormonen oder Hormonblockern ohne ärztliche Kontrolle sehr gefährlich sein kann. Einerseits kann die Dosierung ohne regelmässige Kontrolle und Justierung derart falsch sein, dass fatale körperliche Schäden die folge sein können. Andererseits kann die Qualität der Medikamente, welche z.T. über dubiose Quellen wie Online Apotheken aus Übersee welche auch ohne Rezept liefern, nicht kontrolliert werden. Im besten Fall sind solche Medikamente einfach ohne jegliche Wirkung…

Die falsche Dosierung von Hormonen kann ebenfalls zu fatalen Problemen führen. Eine Überdosierung kann z.B. zu gravierenden und irreversiblen Schäden an der Leber führen. Das Risiko einer Lungenembolie steigt unter anderem ebenfalls exponentiell. Auf der anderen Seite kann eine zu tiefe Dosierung der Stereoidhormone zu zu Veränderungen der Knochendichte und Osteoporose führen. Eine falsche Dosierung kann also ebenfalls verheerende Folgen haben…

Hormonersatztherapie über die PostAber was ist es nun? Was ist es, dass diese ominösen Hormone in sich haben, dass diese von Transmenschen leider sogar ohne ärztliche Kontrolle besorgt werden? Und was kann eine geregelte Hormonersatztherapie bewirken?

Dies haben sich schon so viele gefragt, die sich mit diesem Thema noch nicht auseinander setzen mussten. Diese Frage wurde mir schon so oft gestellt. Und auch ich habe mir diese Frage schon selbst gestellt, als ich vor vielen vielen Jahren erfahren habe, dass man den Hormonhaushalt dank Medikamenten z.B. Bei Transfrauen von Testosteron auf Estrogen umstellen kann.

Das männliche Sexualhormon Testosteron wird hauptsächlich in den Testikeln gebildet. Das weibliche Östrogen wird in den Eierstöcken gebildet. Bei Transmenschen können die körpereigenen Hormone medikamentös unterdrückt werden und durch das jeweilig andere Hormon ersetzt werden. Bei mir als Transfrau wurde vor der Geschlechtsangleichenden Operation das Testosteron unterdrückt und durch Östrogen ersetzt. Seit der geschlechtsangleichenden Operation muss das Testosteron nicht mehr medikamentös unterdrückt werden, da das Organ, in welchem das Testosteron produziert wurde, entfernt wurde.

estradiolDie Fantasie geht schnell bei einigen Mitmenschen durch,,wenn man sagt, dass man in einer Hormonersatztherapie ist. Es kommen dann plötzlich solche Bemerkungen wie: „Da darfst Du aber nicht zu viel nehmen, da Du sonst einen riesengrossen Busen bekommst…“. Nun ja. Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Leider sind die körperlichen Auswirkungen weit weniger spektakulär, als man es sich wünschen würde. Leider… Es sind in der Regel subtile Änderungen, welche meist langsam über Jahre hinweg geschehen. Grundsätzlich können diese Auswirkungen in zwei Kategorien eingeteilt werden. Einerseits die körperlichen Veränderungen und andererseits die mentale Auswirkungen.

Was das körperlichen anbelangt kann eine Hormonersatztherapie wachsen lassen, aber nichts was schon gewachsen ist verschwinden lassen. Ausgenommen sind hier leider die primären Geschlechtsmerkmale. Dies bedeutet, dass bei Transfrauen ein Hormonersatztherapie bewirken kann, dass sich ein Busen bildet. Auf die Grösse des Busens hat die Dosierung leider keinen Einfluss. Die Grösse wird wie bei genetischen Frauen durch die genetische Veranlagung bestimmt. Bei Transfrauen, welche mit der Hormonersatztherapie erst nach der Pubertät beginnen muss in der Regel mit einem immer kleineren Ergebnis gerechnet werden, je älter man ist.

Auch die Fettverteilung beginnt sich im Verlaufe der Zeit zu ändern. Männer tendieren in der Regel dazu das Fett am Bauch abzulagern. Wohingegen die Pölsterchen bei Frauen mehr an den Oberschenkeln, den Hüften und dem Po bilden. Z.T bilden sich bei Frauen auch noch Bäckchen im Gesicht.

Die Haut beginnt sich ebenfalls zu verändern. Bei Transfrauen kann z.B. die Textur der Haut feiner werden. Auch kann bei Transmännern kann eine Hormonersatz Therapie z.B. das Einsetzen des Stimmbruchs bewirken.

Leider lassen Hormone nichts verschwinden… Die primären Geschlechtsmerkmale bleiben so wie sie sind. Es bleiben leider auch viele der sekundären Geschlechtsmerkmale unbeeinflusst. Sei dies nun bei Transfrauen die männlichen Züge im Gesicht oder bei Transmännern der Busen. Hier kann nur ein guter plastischer Chirurg weiter helfen.

Ebenfalls haben die Hormone einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den Muskelaufbau. Seit ich meine weiblichen Hormone einnehme muss ich mich mehr anstrengen um die gleiche körperliche Arbeit zu leisten. Auch der Aufbau der Muskeln ist schwieriger geworden. Dies ist aber nicht weiter schlimm, da ich ja nicht Bodybuilderin werden möchte…

Auf der andern Seite hat die Hormonersatztherapie bei mir etwas bewirkt, womit ich eigentlich in dieser Form nicht gerechnet habe. Meine Wahrnehmung veränderte sich dahingehend, dass die rationelle Seite langsam unwichtiger wurde und durch die emotionale Seite überhand nahm. Während ich z.B. früher Filme schauen konnte und ich mir sagte, dass dies ja nur ein Film ist, habe ich heute immer Taschentücher wegen der Heulatacken dabei. Durch die Einnahme von Hormonen hat sich bei mir meine Wahrnehmung langsam soweit verändert, dass diese nun endlich auch mit meinem inneren Sein übereinstimmt. Ich empfinde dies als Wunderbar und endlich fühlt sich auch meine ganze Wahrnehmung ganzheitlicher an.

Danielle

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