Hilfe, eine Psychologe! Als ob ich geistig labil bin!

Posted on April 7, 2017 by Ellen Defrancq

Ab dem Moment, da man wirklich zu verstehen beginnt, dass man im falschen Körper lebt und man mit einem klopfenden Herz sein Coming-out wagte, gilt es konkrete Entscheidungen zu treffen.

Jolanda Claeys, 2pass Clinic Resident
Da Transition für jeden von uns anders verläuft und jede Transfrau ihre eigenen speziellen Erwartungen damit verknüpft, lässt sich unmöglich ein fester Zeitplan aufstellen, in dem steht, wann man welchen Schritt am besten geht. Selbst wenn es manchmal wie eine endlose Liste medizinischer Eingreife und administrativer Formalitäten erscheint, wodurch man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist der Psychologe einer der ersten Adressen, an die man sich wenden sollte.

“Hilfe, eine Psychologe! Als ob ich geistig labil bin…” denkt man dann. Nein, mit Deinem Geisteszustand ist alles in Ordnung und Du wirst auch nicht in einer Einrichtung landen. Der Gesetzgeber, für den wir letztendlich gestimmt haben, will uns vor uns selber schützen. Ich weiß, dass manche diese Verpflichtung zumindest als bevormundend empfinden oder als ein Angriff auf unser Recht auf Selbstbestimmung sehen. Dennoch neige ich dazu, für eine kurze psychologische Betreuung zu plädieren, selbst wenn es nur darum geht, voreilige und nicht fundierte Entscheidungen zu vermeiden.

Den Tatsachen ins Auge sehen

Transgender zu sein hat einschneidende Folgen für Dein weiteres Leben sowie das Deiner Familie, Freunde und Bekannte. Ist das dann falsch, wenn man mittels einiger tiefgehender Gespräche die Tatsachen aufzeigt, bevor Hormone verschrieben werden können?

Als Transfrau wird man eine Brust und weibliche Körperrundungen bekommen und auch einige schwierige emotionale Zeiten durchmachen müssen. Wenn man sich für eine Genitaloperation (SRS) und/oder eine Feminisierung des eigenen Gesichts (FFS) entscheidet, werden die Folgen unumkehrbar sein. Mit anderen Worten muss man psychologisch fest im Sattel stehen.

Emotional heftig

Es ist nicht einleuchtend, dass man sein „tiefstes Inneres“ einem wildfremden Menschen darlegen soll, der einem dann zu alledem noch mit unangenehmen Fragen konfrontiert. Während der Beratungsgespräche ging es meiner Meinung nach teilweise emotional bis an die Grenzen und konnten Tränen nur mit Mühe unterdrückt werden. Letztendlich wirkte dies befreiend und danach fühlte ich mich stärker denn je, um die Transition durchzusetzen.

Die Tatsache, dass eine Diagnose gestellt werden muss, ist nicht nur akzeptabel, um so die Rückerstattung weiterer medizinischer Kosten durch die Krankenkassen verantworten zu können. Ich betrachte dies darüber hinaus als eine offizielle Anerkennung meines „Transgender-Seins”. Ich bin verdammt stolz darauf, wer ich bin, und meine Genderidentität steht nun schwarz auf weißt!

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