Ein wenig Transphobie im Alltag

Posted on Dezember 19, 2016 by Ellen Defrancq
Der folgende Zwischenfall ereignete sich als ich inmitten in meiner Transition war aber noch bevor ich meine gesichtsfeminisierende Operation mit Dr. Van de Ven in der 2pass Clinic hatte.

Das ich als Trans-Frau inmitten meiner Transition permanent durch meine Mitmenschen angeglotzt, ausgelacht oder gar angepöbelt werde belastet mich emotionell äusserst und geht mir unvorstellbar an mein Gemüt. Und dieses kostet so unglaublich viel unnötig verschwendete Energie. Ich dachte damals, dass ich schon so gut wie alle Varianten des angeglotzt, ausgelacht und angepöbelt werdens erlebt habe. Aber im Sommer 2015 wurde ich nun eines besseren belehrt… So musste ich damals in der ansonsten so wunderschönen Jahreszeit eine mir bislang komplett unbekannte und für mich neue Variante des erniedrigt Werdens erfahren.

Basler TramIch wartete damals draussen zusammen mit meinem Sohn an einer Tramhaltestelle und wartete auf ein Tram. Wir wollten eigentlich zusammen in die Stadt um etwas einzukaufen. Nach ein paar Minuten fuhr dann zwar ein Tram an der Tramhaltestelle ein, aber es war eine Linie, welche in eine andere Richtung fuhr als die, die mein Sohn und ich es hätten brauchen können. Also blieben wir draussen auf der Haltestelle stehen und warteten weiter auf unser Tram.

Damals zu diesem Zeitpunkt meiner Transition schaute ich eigentlich meine Mitmenschen nicht mehr direkt an, sondern blickte oft in Richtung Boden. Und noch weniger schaute ich anderen direkt in die Augen, da mich die belustigten und gar abwertenden Blicke zu stark in meinem Herzen trafen. Und dies obwohl ich eigentlich ein Mensch bin, welcher sehr gerne mit anderen Menschen kommunizierte. Ich war es mir eigentlich gewohnt im Rahmen meiner Tätigkeiten Sitzungen zu leiten oder an Konferenzen Reden zu halten. Aber seit ich meine Transition begonnen hatte nahm dieses Selbstwertgefühl immer mehr ab und wandelte sich in das pure Gegenteil um.

Aber aus irgendeinem Grund schaute ich mutigerweise oder vielmehr dummerweise zu den Fahrgästen, welche drinnen im wartenden Tram sassen. Bei einem der Fenster, welches gerade auf meiner Höhe war sassen sich zwei Männer ungefähr Mitte Vierzig jeweils auf einem Fensterplatz gegenüber. Diese beiden Männer schienen sich zu kennen. Denn der eine wurde auf mich aufmerksam, musterte mich und fing an despektierlich ja fast schon bösartig an zu grinsen… Darauf hin stupste er seine Kollegen an und deutete mit dem Kopf auf mich, worauf sein Kollege mich ebenfalls zuerst musterte und ungeniert anglotzte. Ich schaute dummerweise wie gelähmt zurück. Denn während diese Zeit musste der andere sein Smartphone hervor geholt haben. Als ich wieder zum ersten der beiden blickte hielt er sein Smartphone gegen mich gerichtet und machte offenbar Fotos von mir…

Er begutachtete darauf hin die Fotos auf seinem Telefon und stupste darauf hin seinen Kollegen an. Als dieser seinen Blick von mir nahm und zu seinem Freund sah zeigte ihm dieser die Fotos, welche er von mir gemacht hatte… Beide lachten lauthals heraus während sie immer wieder auf den Bildschirm des Smartphones und dann wieder zu mir schauten. Ich konnte ihr Lachen draussen auf der Tramhaltestelle nur zu gut hören. In diesem Moment waren die beiden das einzige was ich noch wahrnahm und ihr lachen das einzige was ich noch hörte…

In diesem Moment begann das Tram wieder anzufahren und fuhr zusammen mit den beiden auf und davon. Ich schaute ihnen und dem Tram wie gelähmt hinterher. Und in meinen Augen bildeten sich Tränen…

Danielle Lang

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