„Das war früher doch ein Kerl. Schon komisch, mit ihm zusammen zu arbeiten“

Posted on März 2, 2017 by Ellen Defrancq

Jolanda Claeys, 2pass Clinic Resident
Bei der Betrachtung der Aufmerksamkeit für Transgender im Allgemeinen sagt mir mein stolzes Transfrauen-Herz, dass wir etwa in den vergangenen fünf Jahren einen gigantischen Schritt nach vorne gekommen sind. In fast allen Medien, Filmen und politischen Foren wird unsere Existenz nicht länger verschwiegen – ja sogar eine Art von Respekt ist zu bemerken.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass unser „Anders-Sein“ oft für den Spektakelwert des Themas sowie für den typisch menschlichen Hunger nach Neugier herhalten muss. Für viele Menschen ist es ach so spannend zu lesen, wie es kommt, dass jemand sein Geschlecht verändern will, wie seine oder ihre Umgebung darauf reagiert hat und wie die chirurgischen Eingriffe verlaufen. Aber darüber, wie es uns im täglichen Leben wirklich geht und wie wir uns finanziell und mental über Wasser halten, hört oder sieht man leider zu wenig.

Transgender auf dem Arbeitsmarkt

So komme ich zu einem meiner Steckenpferde: Transgender auf dem Arbeitsmarkt. Warum gestaltet sich die Jobsuche für Transfrauen und -männer eigentlich so schwierig?

Ich versuche mal, mich in einen Arbeitgeber hinein zu versetzen: ”Damit erschrecken wir einen Teil unserer Kunden, …das wird bei den anderen Mitarbeitern Spannungen verursachen, … die wird emotional wahrscheinlich sehr labil sein, …die beschäftigt sich zu viel mit Sex, …die ist in ärztlicher Behandlung und wird oft abwesend sein…“

Transgender auf dem Arbeitsmarkt
Diese Liste kann ich noch verlängern, aber eigentlich lässt sich alles in einer Kernaussage zusammenfassen: “Das war früher ein Kerl. Schon komisch, damit zusammen zu arbeiten.“

Ich würde schon gerne mal wissen, inwieweit die Qualität meiner Arbeit durch die Tatsache beeinflusst wird, dass ich ein Kleid trage und keinen Anzug. Gehen dadurch etwa meine Kompetenzen verloren? Ich dagegen bin sogar davon überzeugt, dass meine Leistungen sich verbessern, wenn ich sein kann, wer ich bin!

Transfrauen am Telefon

Es können sich sehr wohl einige Unannehmlichkeiten ergeben. So lässt es sich nicht vermeiden, dass man während eines Telefongesprächs als „Herr“ angesprochen wird. Das wird auch so bald kein Ende nehmen. Darauf sollte man besser nicht reagieren. Im Gegenteil, das lässt sich sogar größtenteils vermeiden, wenn man zu Gesprächsbeginn deutlich seinen Vornamen angibt. Darüber hinaus kann darauf spezialisierte Logopädie für Transfrauen die Resonanz der Stimme wesentlich höher klingen lassen. Nach einigen Besuchen bei Katrien von 2pass wurde ich am Telefon bereits mit „Frau“ angesprochen.

Auf die Frage, auf welche Toilette man geht, lautet die Antwort ganz einfach: Sei konsequent, als Transfrau geht man auf die Damentoilette!

Arbeitgebern möchte ich noch das Folgende mitgeben. Ein Unternehmen, das sich selbst respektiert, reagiert auf gesellschaftliche Tendenzen und auch hier kann Diversität innerhalb der Mitarbeiter eine Bereicherung bedeuten. Darüber hinaus werden Mitarbeiter, die sich wohl fühlen und von den Vorgesetzten geschätzt werden, für Ihr Unternehmen einen absoluten Mehrwert darstellen.

Jolanda Claeys
2pass clinic resident

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