Chirurgie zur Feminisierung des Gesichts und Krankenkassen (Schweiz)

Posted on September 21, 2016 by Ellen Defrancq
Krankenkassen und Chirurgie zur Feminisierung des GesichtsViele von uns kennen das… Probleme mit Krankenkassen. Krankenkassen nehmen uns gern unser hart verdientes Geld. Aber wenn wir dann einmal einen Anspruch haben, beginnen die Probleme. Die Krankenkasse fängt an, Absätze aus den Vertragsregeln zu zitieren, die sie von der Zahlungsverpflichtung ausnehmen.

Wir Transgender-Leute erleben das immer wieder. Die Krankenkassen sagen, dass sie einige OPs nicht als Lösung des Problems akzeptieren und versuchen so, die Zahlung zu verweigern.

Und wegen der falschen Chromosomen und gegensätzlich ausgerichteten Hormone, die in der Pubertät beginnen, Schaden anzurichten und uns ab dann jeden Tag weiter schaden, werden wir oft für das falsche Geschlecht gehalten. Darum müssen wir oft für teure OPs zahlen, die nötig sind, um diese Chromosomen und die hormonbedingten Schäden zu korrigieren.

Zusätzlich ist es insgesamt für die meisten von uns nicht leicht, Transgender zu sein, da wir in der Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Den Menschen ist häufig nicht bewusst, was es bedeutet, Transgender zu sein, deshalb halten sie uns für „Freaks“… Zu viele Menschen halten uns nur für „Männer, die sich gern wie Frauen anziehen“ oder „Männer, die gern Frauen wären“… Und ihnen ist einfach nicht klar, dass die „Seele“ einfach nicht zum äußeren Selbst passt … zum Körper. Es erfordert jeden Tag auf’s Neue unglaublich viel Energie, gegen diese Ungerechtigkeit zu kämpfen. Zu viel Energie… Zu viel Energie geht verloren… Wichtige Energie für unser Leben. Entsprechend hoch ist die Suizidrate bei Transgender-Menschen.

Hinzu kommt, dass Transgender-Menschen oft ihren Job verloren haben. Oder sie müssen einen Beruf unterhalb ihres Bildungsniveaus annehmen und werden sehr schlecht bezahlt. Darum ist das Problem, dass viele Krankenkasse nicht für die OPs zahlen wollen, für viele Transgender-Menschen ein noch schwerwiegenderes Problem!

Bei uns Transgender-Leuten hier in der Schweiz ist das nicht anders. Hier verstecken sich die Krankenkassen hinter den vagen Definitionen „effektiv, nützlich und wirtschaftlich“. Eine Operation muss diese Kriterien erfüllen, damit die Krankenkassen sie bezahlen. Obwohl dies theoretisch sinnvoll erscheinen mag, nutzen in der Praxis viele Krankenkassen diese vagen Definitionen, um die Zahlung zu verweigern.

Es gibt sogar ein Gerichtsurteil hier in der Schweiz, das uns Transgender-Menschen das Recht auf Kostenübernahme aller nötigen Korrekturen der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale durch die Krankenkasse einräumt. Zumindest theoretisch…

Trotz dieses Gerichtsurteils weigern sich noch immer viele Krankenkassen, die Kosten der dringend nötigen chirurgischen Eingriffe zur Feminisierung des Gesichts zu übernehmen, da ein männliches Gesichts ihrer Ansicht nach weder ein primäres noch ein sekundäres Geschlechtsmerkmal ist.

Genau das erlebe ich momentan mit meiner Krankenkasse. Sie weigern sich, die Kosten für meine Chirurgie zur Feminisierung des Gesichts zu übernehmen, obwohl ich bereits das dritte medizinische Gutachten eingereicht habe, das die Notwendigkeit dieser Operation für mich belegt.

Doch trotzdem weigert meine Krankenkasse sich zu zahlen.

Dies hat mich noch mehr dazu ermutigt, für unsere Rechte zu kämpfen. Also beschloss ich, mit meinem Anliegen vor das Versicherungsgericht zu ziehen, die höchste Instanz für Streitigkeiten im Bereich Sozialversicherungen.

Ich werde kämpfen… Genau wie ich vor Gericht dafür gekämpft habe, die erste Transfrau in meinem Kanton zu sein, in deren Identitätskarte „Frau“ stand, noch bevor ich meine geschlechtsangleichende Operation hatte. Ich wollte einfach für alle nach mir kämpfen, damit sie dieses Recht auch erhalten würden. Und ich habe es geschafft..!

Und nun werde ich auch für dieses Recht kämpfen! Ich habe beschlossen, beim Versicherungsgericht Klage einzulegen und einen Präzedenzfall zu schaffen, sodass alle Kosten für sämtliche Operationen zur Feminisierung des Gesichts von der Krankenkasse übernommen werden müssen. Denn diese Operationen müssen für alle möglich und zugänglich sein!

Und dank der medizinischen Kunst von Dr. van de Ven werde ich dem Gericht einen lebenden Beweis präsentieren und zeigen, dass das Ergebnis der Chirurgie zur Feminisierung des Gesichts, die von einem kompetenten Chirurgen durchgeführt wurde, „effektiv, nützlich und wirtschaftlich“ ist und es sich daher lohnt, diese OP zu bezahlen.

Und persönlich weiß ich, dass mir nach dieser OP endlich etwas gelingen wird, das mir bisher nicht möglich war: das Passing als Frau…

Fortsetzung folgt…

Danielle Lang

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